
Community Health – Gesundheit und Wohnen auf der Veddel
Im Forschungsprojekt „Community Health – Gesundheit und Wohnen auf der Veddel“ beschäftigten wir uns mit der Frage, wie Bewohner*innen des Stadtteils belastende sowie stärkende Wohnsituationen erleben und welche Umgangsweisen sie hiermit finden.
Hintergrund und Fragestellung
Ausgangspunkt waren Ergebnisse des Stadtteilsurveys 2022, der deutlich machte, dass viele Menschen auf der Veddel mit schwierigen Wohnbedingungen konfrontiert sind, während gleichzeitig nachbarschaftliche Netzwerke und gemeinschaftliche Ressourcen eine große Rolle spielen. Ziel des Projekts war es, unterschiedliche Umgangsweisen mit Wohnbedingungen und deren gesundheitliche Bedeutung aus Perspektive der Bewohner*innen sichtbar zu machen, lokales Wissen zu erfassen, Nachbar*innen als Community-Forscher*innen zu qualifizieren, Formate für Austausch zu erproben und Handlungsansätze für ein gesünderes Wohnen im Stadtteil zu entwickeln. Im Zentrum stand die Forschungsfrage: Wie erleben Bewohner*innen belastende oder stärkende Aspekte ihres Wohnens und wie gehen sie damit um?
Methodische Vorgehensweise
Mit einem heterogenen Team aus Community-Forscher*innen fanden mehrere Treffen statt, in denen wir uns als Team kennenlernen, Erwartungen klären und erste inhaltliche Schwerpunkte setzen konnten. Diese Treffen schufen Vertrauen und ein gemeinsames Verständnis für das Projekt.
Die Teilnehmenden erhielten eine umfassende Einführung in qualitative Forschung. Dabei ging es unter anderem um die Unterschiede zwischen qualitativer und quantitativer Forschung und es wurden Fragen zur Forschungshaltung, Ethik und Gesprächsführung diskutiert. Gemeinsam entwickelten wir einen Interviewleitfaden und erprobten in praktischen Übungen den Umgang mit Aufnahmegeräten. Zudem wurde die Rolle von Mehrsprachigkeit und mögliche Barrieren im Forschungsprozess gemeinsam reflektiert.
So legten wir den Grundstein dafür, dass Bewohner*innen selbstständig Interviews planen und durchführen konnten. Im nächsten Schritt führten die Community-Forscher*innen qualitative Interviews innerhalb ihres eigenen Netzwerks.
Besonders wertvoll war, dass die Gespräche in verschiedenen Sprachen des Stadtteils stattfanden und oft sehr persönliche Einblicke ermöglichten. So konnten vielfältige Perspektiven auf Wohnsituation, Belastungen und Ressourcen sichtbar gemacht werden.
Die Interviews wurden anschließend transkribiert und übersetzt.
Um weitere Stimmen einzubeziehen, eine niedrigschwellige Beteiligung zu ermöglichen und kollektive Räume des Austausches zu schaffen, erprobten wir ein weiteres Format: die offenen Wohnzimmer.
In verschiedenen Hinterhöfen wurden Nachbar*innen eingeladen, bei Tee, Kaffee und Snacks über ihre Wohnsituation ins Gespräch zu kommen.
Diese offenen Räume förderten informelle Begegnungen und machten Forschung für viele zugänglich. Die Basisauswertung des erhobenen Materials erfolgte durch die Forschungskoordination, welche unterschiedliche Umgangsweisen sowie relevante Passagen und wiederkehrende Themen herausarbeitete.
Diese wurden anschließend in Interpretationswerkstätten gemeinsam mit den Community-Forscher*innen diskutiert.
Dabei ging es nicht nur um Analyse, sondern auch um kollektive Deutung:
- Was bedeutet diese Erfahrung im Alltag?
- Welche strukturellen Faktoren spielen hinein?
- Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?

Ausblick
Die Ergebnisse wurden im Team diskutiert und gemeinsam weiterentwickelt. Daraus entstand eine Sammlung von Handlungsempfehlungen und Forderungen für lokale Akteure. Unter anderem wurde die Idee eines Mieter*innenrats entwickelt, welcher die Interessen der Bewohner*innen stärken und eine Mitsprache ermöglichen soll.
Bei einem Stadtteilbrunch wurden die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen im Stadtteil vorgestellt, als öffentliche Einladung, gemeinsam weiterzudenken, und den Mieter*innenrat auf den Weg zu bringen. Die Ergebnisse wurden darüber hinaus beim Stadtteil-Beirat vorgestellt und mit einer Vertreterin des größten kommunalen Wohnungsgebers, der SAGA, diskutiert. Im Rahmen der Stadtteilarbeit der Poliklinik Veddel begleitet eine Gemeinwesenarbeiterin nun den neu gegründeten Mieter*innen-Rat im Organisierungsprozess.
Das Projekt wurde gefördert durch:




