Community Health Labor Veddel – Konzeption eines transdisziplinären Forschungs- und Bildungsraums
Das Community Health Labor Veddel (CHL Veddel) ist ein Ort kollaborativer Forschung und ein transdisziplinärer Bildungsraum. Als dauerhafte Kooperation zwischen dem Primärversorgungs- / Stadtteilgesundheitszentrum Poliklinik Veddel (Gruppe für Stadtteilgesundheit und Verhältnisprävention e.V.) und Prof. Silke Betscher (Fakultät Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik) gestaltet das CHL Veddel eine Kontaktzone zwischen Stadtgesellschaft, Primärversorgung und Hochschule. Hier wird gemeinsam mit geschulten Community-Forscher*innen zu gesundheitsbezogenen und sozialen Themen geforscht und neue Formate und Angebote einer umfassenden und zukunftsfähigen gesundheitlichen Versorgung und lebendigen Hochschule entwickelt und erprobt.

Das CHL Veddel reagiert damit sowohl auf Herausforderungen im Kontext einer zukunftsfähigen Weiterentwicklung der Primärversorgung in Deutschland, als auch im Kontext einer Entwicklung von Hochschule in gesellschaftlicher Verantwortung.
Community-Involvement und Forschung in der Primärversorgung
Im deutschen Gesundheitssystem verbinden sich aktuell verschiedene Krisenerscheinungen, welche u.a. mit der Ökonomisierung von Gesundheit, der Alterung der Bevölkerung und einem Nachwuchsmangel von Allgemeinmediziner*innen im Zusammenhang stehen. Gleichzeitig sind aktuell wachsende soziale Ungleichheiten, die Zuspitzung prekärer Lebenslagen und die Marginalisierung von Bevölkerungsgruppen auch ein gesundheitliches Thema, da sie sich durch soziale Determinanten in gesundheitlichen Ungleichheiten und Herausforderungen übertragen. Um diese Herausforderungen zu adressieren, wird seit 2017 durch die Poliklinik Veddel der Ansatz eines umfassenden Primärversorgungszentrums entwickelt (Filmar et al. 2024). Sich in einer Traditionslinie mit der WHO-Erklärung von Alma Ata (1978) sowie dem Konzept von Community oriented Primary Care (Abramson/Kark 1983) verstehend, gilt es eine interprofessionelle Basisversorgung mit Public Health-Ansätzen, Gesundheitsförderung und Forschung sowie einem starken Community-Involvement zu verbinden und tragfähige Strukturen aufzubauen. Community-Engagement und Community-Based-Ansätze sind hierbei als zentraler Faktor für ein resilientes Gesundheitssystem zu verstehen (WHO 2024), brauchen jedoch neue Selbstverständnisse und Rollen, Ressourcen und gelebte Praxen, die es für den deutschen Kontext erst noch zu entwickeln gilt. Hier setzt das CHLV an und stärkt das Modellprojekt Poliklinik Veddel durch die Weiterentwicklung des Community-Involvement und die Verankerung partizipativer Gesundheitsforschung.
Hochschule in der Gesellschaft
Auf der anderen Seite stehen auch Hochschulen in Zeiten von wachsender Wissenschaftsfeindlichkeit, Sparpolitiken und dem Erstarken demokratiefeindlicher, autoritärer Tendenzen vor großen Herausforderungen. Gute wissenschaftliche Praxis lebt von der Berücksichtigung vielfältiger Perspektiven und Lebensweisen, nicht nur als Qualitätskriterium in der Entwicklung von Forschungsfragen, sondern auch in der Umsetzung von Forschung (vgl. Wissenschaftsrat 2026, International Science Council 2021). Hierfür bedarf es neuer Strukturen, die gesellschaftliche Heterogenität aufnehmen und in Forschungsprozesse einbinden können. Gleichzeitig ist es der Auftrag von Hochschule junge Menschen auszubilden und auf ihr Berufsleben vorzubereiten. Insbesondere in den Interventionswissenschaften gilt es Lehr-Lernräume zu schaffen, in denen sich Wissen und Kompetenzen praxisbezogen angeeignet werden können. Im Rahmen der Dritten Mission von Hochschule, neben Forschung und Lehre auch gesellschaftlich wirksam zu sein, gilt es schließlich die Verbindung zur (Stadt-)Gesellschaft zu stärken, Innovationen nutzbar zu machen und demokratiefördernd zu wirken. An allen drei Feldern setzt das CHLV an und schafft einen Raum des transdisziplinären Lernens und der diversitätssensiblen Wissensproduktion.
Ansatz des CHL Veddel
Um die skizzierten Anforderungen zu adressieren setzt das CHL Veddel auf die Involvierung einer multidiversen Stadtgesellschaft und oftmals marginalisierter Communities in tragfähige Formen der Wissensproduktion, die in einer nachhaltigen Kooperationsstruktur umgesetzt werden. Im Mittelpunkt steht die langfristige Zusammenarbeit in partizipativen Forschungsprojekten zu gesundheitsbezogenen Themen und die Gestaltung diversitätssensibler Bildungsräume zu Sozialen Determinanten von Gesundheit.
Dabei zeichnet sich das CHL Veddel durch eine besondere Form der partizipativen Community-Forschung (Community Based Participatory Research/CBPR) aus (Minkler/Wallerstein 2008, Wright 2021). Zentrales Element ist die langfristige Mitwirkung von Bewohner*innen des Stadtteils als Community-Forscher*innen oder Stadtteil-Forscher*innen, welche Forschungsprozesse und Bildungsräume partizipativ mitgestalten sowie neue Sprecher*innen-Rollen und Interventionen für den Stadtteil entwickeln. Auf diese Weise werden lokal passende und diversitätssensible Bedarfserhebungen, Verständigungsprozesse und Interventionsentwicklung ermöglicht. Inspirierendes Vorbild eines derartigen Stadtteillabor-Ansatzes stellt das Stadtteillabor Bochum-Hustadt dar (Falge/Betscher 2024). Mehr Informationen zu diesem Schwesterprojekt finden Sie hier.
Strukturell getragen und kooperativ gestaltet wird das CHL Veddel durch den Fachbereich Community-Forschung der Poliklinik Veddel und Prof. Silke Betscher von der HAW Hamburg. In der Projektkoordination einzelner Projekte arbeitet nach Möglichkeit auch je ein*e Community-Forscher*in mit. Darüber hinaus wird die Arbeit des CHL Veddel durch ein Community Board begleitet, welches sich aus aktuellen und ehemaligen Community-Forscher*innen zusammensetzt. Hier werden größere strukturelle Entscheidungen oder Projektanträgen vorgestellt und diskutiert. Das Community Board hat dabei eine beratende Funktion für die Weiterentwicklung des CHL Veddel und trifft sich zweimal im Jahr.
Aus der Zusammenarbeit der beiden Institutionen und Vertreter*innen des Stadtteils entsteht so eine tragfähige Kooperation mit multiplem Nutzen.
Arbeitsweise des CHL Veddel
Das CHL Veddel nimmt verschiedene Traditionslinien partizipativer Gesundheitsforschung, Gemeinwesenarbeit sowie community-orientierter Primärversorgung auf (vgl. Minkler/Wallerstein 2008, Bär/Schaefer 2021, Stövesand/Stoick 2013, Naidoo/Wills 2019, Abramson/Kark 1983, Rigg/Engelmann/Ramirez 2018). Es orientiert sich an den Prinzipien der Arbeit in Stadtteillaboren als eine Methode des Community-Organizing (Betscher/Falge 2025) und hat hieraus in der Kooperation zwischen Poliklinik und Hochschule einen eigenständigen Ansatz entwickelt.

In Ansatz des CHL Veddel nehmen Community-Forscher*innen für die Weiterentwicklung von Community-orientierter Gesundheitsversorgung und -förderung sowie kollaborative Bildungsräume eine zentrale Rolle ein. Forschung zu gesundheitsbezogenen und sozialen Fragestellungen und Bedarfserhebungen werden nachhaltig mit partizipativen Prozessen verbunden.
Die Arbeit des CHL Veddel wird von 10 Kernelementen geprägt:
- Langfristige Zusammenarbeiten und solidarische Beziehungen
Im CHL Veddel arbeiten sowohl die kooperierenden Institutionen vor Ort, als auch die Community-Forscher*innen über mehrere Projekte hinweg zusammen. Auch wenn im Rahmen des CHL Veddel einzelne Projekte aufeinander folgen, entsteht mit dem Labor eine langfristige Struktur, die sich mit erfahrbarem Commitment der Arbeit im Stadtteil verpflichtet. So können vertrauensvolle Beziehungen wachsen und Kompetenzen aufgebaut werden.
- Engagement gegen soziale und gesundheitliche Ungleichheiten und Diskriminierung
Das CHL Veddel situiert die eigene Arbeit im Kontext eines Engagements gegen soziale und gesundheitliche Ungleichheiten und Diskriminierung. Die Bereitschaft im Sinne der Ottawa-Charta an einer guten Gesundheit für alle mitzuwirken, stellt die Grundlage der Zusammenarbeit dar (WHO 1986). Forschungsprojekte im CHL Veddel werden in diesem Sinne konzipiert und durch die Forschungskoordination gestaltet.
- Heterogenes Team von methodisch geschulten Community-Forscher*innen
Im CHL Veddel arbeitet ein heterogenes Team aus Community-Forscher*innen, welche vielfältige Lebenswelten des Stadtteils kennen, verschiedene Sprachen sprechen und sich unterschiedlichen lokalen Communities zugehörig fühlen. Hierdurch können heterogene Alltagserfahrungen in die Ausgestaltung der Projekte einfließen und Vertrauensbrücken zu unterschiedlichen lokalen Communities geschaffen werden. Die Community-Forscher*innen werden zu Projektbeginn methodisch geschult, so dass sie Erhebungsinstrumente mit entwickeln, selbst Erhebungen durchführen und in der Interpretation der Daten mitwirken (vgl. v. Unger 2025). Durch eine Zusammenarbeit über einzelne Forschungsprojekte hinweg ist ein nachhaltiger Aufbau von Kompetenzen und Erfahrungen möglich.
- Vertieftes Verstehen durch Diversifizierung der Perspektiven
Durch den Einbezug verschiedener Community-Forscher*innen, welche ihre heterogenen Perspektiven einbringen und teils mehrere Sprachen sprechen, ist nicht nur ein verbesserter Feldzugang, sondern darüber hinaus ein vertieftes Verstehen von Erfahrungen in einer postmigrantischen Stadtgesellschaft möglich. Es entsteht ein Raum, in dem unterschiedliche Zugänge und Verständnisse von Gesundheit und einem guten Leben hörbar werden und die Qualität wissenschaftlicher Datenproduktion durch Diversität und Diversifizierung gesteigert werden kann. Gleichzeitig eröffnet sich auch ein Raum in dem Wissenschaft für Menschen, deren Wissen und Perspektiven im akademischen Raum oft wenig Gehör findet, zugänglich gemacht und von ihnen mitgestaltet werden kann (vgl. Falge et al. 2025).
- Machtkritische und diversitätssensible Prozessgestaltung
Die Arbeitsweise im CHL Veddel zeichnet sich durch eine Berücksichtigung von Machtverhältnissen und eine diversitätssensible Haltung aus. Hierfür werden eigene Prozesse reflektiert und geeignete Formate zum machtkritischen Austausch geschaffen. Strukturell bildet sich dies darin ab, dass nach Möglichkeit eine Community-Forscher*in im Koordinationsteam mitarbeitet.
- Entwicklung neuer Sprecher*innen-Rollen und gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit
Im Rahmen des CHL Veddel entstehen durch die Community-Forscher*innen sowohl neue Sprecher*innen-Rollen im Stadtteil und im Kontext des lokalen Gesundheitszentrums als auch in der Öffentlichkeitsarbeit nach außen. So ist es ein grundlegendes Anliegen des CHL Veddel Ergebnisse von Forschungsprojekten auch gemeinsam mit den beteiligten Community-Forscher*innen in die Öffentlichkeit zu tragen und z.B. auf Tagungen zu präsentieren.
- Community-Forschung mit Mehrwert für den Stadtteil
Im Sinne einer gesundheitsfördernden Praxis werden Diskussionen zu sozialen Determinanten im Stadtteil gefördert, die Health Literacy der Beteiligten gefördert und soziale Netzwerke gestärkt. Für das CHL Veddel ist es zentral, als Forschungsort und Bildungsraum für den Stadtteil wirksam zu sein und die Produktion neuen Wissens mit der Entwicklung von Interventionen, Organisierung von Nachbar*innen oder neuen Angeboten zu verbinden. Die partizipativen und interventionsgekoppelten Forschungsprojekte erheben Wissen zu gesundheitlichen und sozialen Lebenslagen und ermöglichen vertiefte Verstehensprozesse. Sie wirken auf die Stärkung von Ressourcen und die Veränderung von Lebensbedingungen hin und durch die gemeinsame Entwicklung mit Bewohner*innen können sie besser auf die Lebensrealitäten und tatsächlichen Bedarfe abgestimmt werden (Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit 2021). Das CHL Veddel steht damit in einer Tradition forschender Gemeinwesenarbeit, welche „Daten für Taten“ erhebt und selbst eine gesundheitsfördernde Praxis darstellt (Landhäußer 2009). Erst durch diese Verbindung von Forschung mit einem Mehrwert im Stadtteil kann Vertrauen geschaffen werden.
- Verschränkung mit dem interprofessionellen Primärversorgungs-/Stadtteilgesundheitszentrum und Vernetzung mit dem ÖGD
Das CHL Veddel ist eng mit den Fachbereichen des interprofessionellen Stadtteilgesundheitszentrums verbunden. In fest etablierten Austauschformaten und gemeinsamen Workshops werden Wissensbestände geteilt, transdisziplinär Interventionen entwickelt und die Community-Orientierung des Zentrums durch ein etabliertes Community-Involvement gestärkt. Darüber hinaus wirken nach Möglichkeit Mitarbeiter*innen anderer Fachbereiche des Gesundheitszentrums in Projekten des CHL Veddel aktiv mit, so dass ein Wissenstransfer erleichtert und anschließende Interventionen und Angebote in einer persönlichen Kontinuität weitergeführt werden können. So entsteht eine umfassende community-orientierte Primärversorgung, die von der lokalen Bevölkerung mitgestaltet wird.
Darüber hinaus ist das Team des CHL Veddel auch mit dem kommunalen Öffentlichen Gesundheitsdienst vernetzt und bringt hier Anliegen aus dem Stadtteil sowie Projektergebnisse, erhobene Bedarfe oder methodische Erfahrungen ein. Und es ist ein Anliegen des Projekts eine Community-orientierte Primärversorgung in Hamburg durch den Austausch mit anderen Lokalen Gesundheitszentren (LGZ) und Gesundheitseinrichtungen zu stärken.
- Transdisziplinäre Öffnung der Hochschule
Durch eine kollaborative Zusammenarbeit von Studierenden mit Community-Forscher*innen werden vertiefte Einblicke in multidiverse Lebenswelten und die Entwicklung einer diversitätssensiblen Haltung ermöglicht. Für Studierende entstehen so praxisnahe Bildungsräume, in welchen sie eine Professionalisierung ihrer Rolle erfahren und mit Bewohner*innen eines marginalisierten Stadtteils, als Expert*innen ihrer Lebenswelt und Ko-Forschende auf Augenhöhe zusammenarbeiten. So öffnet sich die Hochschule für oftmals marginalisierte Perspektiven, heterogene Wissensformen (Hochschule, Praxis, lokale Lebenswelten) werden anerkannt und bereichern die Wissensproduktion. Es entstehen neue Kontaktzonen und Zugänge.
- Kollaborativer Lern- und Bildungsraum im Stadtteil als Demokratieförderung
Im Kontext des CHL Veddel arbeiten Menschen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen, kulturellen Bezügen und Bildungshintergründen zusammen. Das CHL Veddel schafft Bildungsräume niedrigschwellig und erkennt die Bedeutung von situiertem Wissen (Haraway 1995) und Alltagserfahrungen an. Es entwickeln sich zirkuläre und sich wechselseitig fördernde Prozesse zwischen Forschung und Bildung. Auf einer menschenrechtsorientierten Basis entstehen Räume der Aushandlung und gesellschaftliche Zusammenhänge können erarbeitet werden. So arbeitet das CHL Veddel gegen Wissenschaftsfeindlichkeit und autoritäre Tendenzen und wirkt demokratiefördernd.
Forschungs- und Bildungsformate des CHL Veddel vor Ort
Die skizzierten Kernelemente der Arbeitsweise des CHL Veddel werden in verschiedenen Formaten umgesetzt und umfassen neben partizipativer Community-Forschung, Formate der partizipativen Angebotsentwicklung und Evaluation ebenso wie Lehrforschungsprojekte unter Beteiligung von Community-Forscher*innen. Projektbezogen wird mit anderen Fakultäten, Disziplinen und Praxispartnern zusammengearbeitet, so dass verschiedene Schwerpunktsetzungen bestmöglich umgesetzt werden können. Je nach Fragestellung arbeitet das CHL Veddel mit den passenden Methoden, welche sowohl klassische Methoden der quantitativen und qualitativen Forschung als auch explizit partizipativ angelegte oder künstlerisch-experimentelle Methoden umfassen können (z.B. quantitative Surveys, qualitative Interviews, Fokusgruppen, Photo Voice, Mapping-Ansätze oder Workshop-Formate).
Diese Säule des CHL Veddel umfasst:
Partizipative Forschungsprojekte und partizipative Angebotsentwicklung:
- Forschungsprojekte zu gesundheitsbezogenen und sozialen Fragestellungen mit dem räumlichen Bezug Veddel in welchen Anwohner*innen ohne Vorkenntnisse als Community-Forscher*innen mitwirken können
- Evaluation und/oder (Weiter-)Entwicklung von Angeboten auf der Veddel in welchen Anwohner*innen ohne Vorkenntnisse als Community-Forscher*innen mitwirken können
- Forschungsprojekte zu gesundheitsbezogenen und sozialen Fragestellungen, deren räumlicher Bezug nicht (nur) die Veddel umfasst und in welchen (intern) qualifizierte Community-Forscher*innen mitwirken können (auch als Auftragsforschung)
- Evaluation und/oder (Weiter-)Entwicklung von Angeboten deren räumlicher Bezug nicht (nur) die Veddel umfasst und in welchen (intern) qualifizierte Community-Forscher*innen mitwirken können (auch als Auftragsforschung)
- nicht partizipativ arbeitende, ergänzende oder vertiefende Forschungsprojekte, z.B. im Rahmen von Abschluss- und Qualifizierungsarbeiten sowie auf Basis einer eigenständigen Forschungsförderung
Lehrforschungsprojekte und Bildungsräume vor Ort:
- Lehrforschungsprojekte zu gesundheitsbezogenen und sozialen Themen, in welchen Anwohner*innen ohne Vorkenntnisse als Community-Forscher*innen mitwirken können
- Lehrprojekte mit Anwohner*innen und Studierenden, die als kollaborativer Bildungsraum die Vielfalt von Zugängen, Perspektiven und Erfahrungshintergründen adressieren
- Bildungsformate und Workshops für das Stadtteilgesundheitszentrum, andere lokale Initiativen oder Anwohner*innen der Veddel
Wissenstransfer und Workshopangebote des CHL Veddel
Das CHL Veddel möchte übertragbare Modelle entwickeln und auch in andere gesundheitliche Strukturen hineinwirken. Damit soll es über den Stadtteil-Kontext hinaus Wirkung entfalten und für andere Akteure nutzbares Wissen bereitstellen. Das CHL Veddel bietet Vorträge, Workshops und Prozessbegleitungen für andere Forschende, Lehrende und Praxisvertreter*innen in den Feldern Gesundheitsforschung/-förderung, Community Based Participatory Research sowie Community Based Healthcare/Community-oriented Primary Care und (forschende) Gemeinwesenarbeit. Mit diesem Angebot möchte das CHL Veddel sowohl dazu beitragen partizipative Formate und Community-Involvement in der Primärversorgung in Deutschland zu stärken, als auch die Erfahrung experimenteller und kollaborativer Lehr- und Bildungsformate zugänglich zu machen. Darüber hinaus werden im Rahmen einer städte-übergreifenden Vernetzung konzeptionelle Impulse weiter ausgearbeitet und Kooperationspartnerschaften aufgebaut.
Diese Säule des CHL Veddel umfasst:
- Bildungsformate und Workshops für Interessierte
- Unterstützung und Prozessbegleitung bei der Durchführung eigener Projekte oder im Aufbau von Strukturen
- Peer-Begleitung für andere partizipative Projekte
- Übergreifende Vernetzung und Aufbau von Kooperationsstrukturen bundesweit und international
Literatur
Abramson, Joseph H./Kark, Sidney L. (1983): Community Oriented Primary Care: Meaning and Scope. In: Connor. Eileen/Mullan, Fitzhugh (Hrsg..): Community Oriented Primary Care. New Directions for Health Services Delivery. National Academy Press, Washington, S. 21-59
Bär, Gesine/Schaefer, Ina (2021): Community Health und partizipative Forschung. In: Schmidt-Semisch, Henning/Schorb, Friedrich (Hrsg.): Public Health. Disziplin – Praxis – Politik. Springer VS, Wiesbaden, S. 259-283
Betscher, Silke/Falge, Christiane (2025): Intervention.linked Community Resaerch: An Underestimated Merhod of Community Organising? Insights from the City Lab Bochum-Hustadt. In: Community Organizing Journal, 1 (1).https://doi.org/10.71057/s1h6f482
Falge, Christiane/Silke Betscher (2024): Gesundheitliche Verhältnisse verändern durch Community Forschung im Bochumer Stadtteillabor. In: Public Health Forum, vol. 32, no. 1, S. 43-45. https://doi.org/10.1515/pubhef-2023-0145
Falge, Christiane/Betscher, Silke/Geldermann, Anna/Jünger, Saskia (2025). Die Rede von der Schwererreichbarkeit dekonstruieren: Die digitale Diversitätslücke bei Gesundheitsinformationen als Hürde für Prävention und Gesundheitsförderung. In: Fischer, Florian/Wrona, Kamil J. (Hrsg.) Technologiegestützte Ansätze in der Community-basierten Prävention und Gesundheitsförderung. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-71115-6_15
Filmar, Tobias/Schlegel, Katja/Waidhas, Lukas/Schröder, Milli/Dickel, Philipp/Hänel, Patricia/Spreckelsen, Ove (2024): Interprofessionelle Primärversorgungszentren als Lösungsansatz für Versorgungsprobleme der Zukunft – am Beispiel der Poliklinik Veddel. In: Gesundheitswesen aktuell 2024, S. 168-187 https://doi.org/10.30433/GWA2024-168
Haraway, Donna J. (1995): Situiertes Wissen. Die Wissenschaftsfrage im Feminismus und das Privileg einer partialen Perspektive. In: ebd. (Hrsg.), Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen. Campus, Frankfurt am Main u.a. S. 73–97.
International Science Council (2021): Working Scientist Podcast: Warum ist Vielfalt in der Wissenschaft wichtig? https://de.council.science/blog/working-scientist-podcast-why-does-diversity-in-science-matter/ (Letzte Abfrage: 22.05.2026)
Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit (2021): Kriterien für gute Praxis der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung des Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit https://www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/fileadmin/user_upload/02-PDF/07-Good-Practice/2021-Broschuere-Good-Practice-Kriterien.pdf (Letzte Abfrage: 22.05.2026)
Landhäußer, Sandra (2021): Das communityorientierte Vorgehen der ‚Settlerinnen‘ von ‚Hull-House‘: Soziales Kapital und Perspektiven auf die Professionalisierung Sozialer Arbeit. In: Glaser, Edith/Andresen, Sabine (Hrsg.): Disziplingeschichte der Erziehungswissenschaft als Geschlechtergeschichte. Verlag Barbara Budrich, Opladen, S. 97-110
Minkler, Meredith/Wallerstein, Nina (2008): Community-Based Participatory Research for Health. From Process to Outcomes. San Francisco: Jossey-Bass
Naidoo, Jennie/Wills, Jane (2019): Lehrbuch Gesundheitsförderung. Hogrefe, Bern.
Rigg, Khary K./Engelmann, Doug/Ramirez, Jesús (2018): A Community-Based Approach to Primary Health Care. In: Arxer, Steven L./Murphy, John W. (Hrsg.): Dimensions of Community-Based Projects in Health Care, Springer International, Cham, S. 105-117 https://doi.org/10.1007/978-3-319-61557-8
Stövesand, Sabine/Stoik, Christoph (2013): Gemeinwesenarbeit als Konzept Sozialer Arbeit – eine Einleitung. In: Stövesand, Sabine/Stoik, Christoph/Troxler, Ueli (Hrsg..): Handbuch Gemeinwesenarbeit. Traditionen und Positionen, Konzepte und Methoden. Deutschland - Schweiz – Österreich. Verlag Barbara Budrich, S. 14-36.
von Unger, Hella (2025): Whose interpretations matter? Participatory research approaches. In: Kusenbach, Margarethe/Pfadenhauer, Michaela (Hrsg.): Handbook of Interpretive Research Methods in the Social Sciences. Elgar Publishing: Cheltenham & Northampton, S. 344–359. https://doi.org/10.4337/9781803926391.00030
Wissenschaftsrat (2026): Wissenschaft in Deutschland – Perspektiven bis 2040. Köln https://doi.org/10.57674/npvj-9804
World Health Organization (1978): Primary Health Care. Report of the International Conference of Primary Health Care. Alma Ata, USSR, 6-12- September 1978. https://www.unicef.org/media/85611/file/Alma-Ata-conference-1978-report.pdf (Letzte Abfrage: 22.05.2026)
World Health Organization (1986): Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/a34c4f31-f35b-45a4-ad8f-9c1f7c169232/content (Letzte Abfrage: 22.05.2026)
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Wright, Michael T. (2021): Partizipative Gesundheitsforschung: Ursprünge und heutiger Stand. In: Bundesgesundheitsblatt, 64(2), S. 140-145. https://doi.org/10.1007/s00103-020-03264-y